Mittwoch, 28. Januar 2009

Wir Erasmusstudenten an unserer Uni

v. l. : Gil (Australien), Maxim (Frankreich), Valentina und Francesca (Italien), ich, und Petra (Tschechien)

Der Blick von meinem Fenster, Sonnenaufgang




Silvesterabend



Hallo mal wieder,

Sodann geht das Semester langsam seinem Ende entgegen.
In Istanbul scheint der Sommer wieder ausgebrochen zu sein, sodass ich gestern eine geschlagene stunde auf der Terrasse unserer Uni in der Sonne liegen konnte um danach in den stickigen Lernraum zurückzukehren.
Diese und nächste Woche finden an meiner Uni die Final Exams statt, das heißt jeden Tag ein Exam, oder auch zwei. Man muss schon ordentlich lernen, aber im Vergleich zur Marburger Uni sind die Prüfungen hier ein Witz. Überhaupt hab ich noch nicht viel von meiner Uni berichtet:

Ich gehe auf die Fatih Universitesi Istanbul. Das ist eine Privat Uni. Sie ist im Gegensatz zu den Staatsuniversitäten eetwas entspannter eingestellt, im Bezug auf Religion. Im Klartext ist unsere Uni der Anlaufpunkt für die religiöse Mittel- und Oberschicht. Das heißt, wer auf die Uni geht, bezahlt relativ viel Geld, darf dafür aber auch sein Kopftuch tragen, welches in allen staatlichen Unis im Land verboten ist.
Für uns Erasmusstudenten heißt das, dass wir im Klassenraum mit zwei Drittel kopftuchtragenden Mädchen sitzen. Leider, und das würde man bei der normalerweise warmherzigen Art der Türken garnicht denken, beachten und unsere Mitstudenten nur selten, es scheint als ob wir ihnen etwas zu anders wären.
An einem Tag, sassen zwei meiner Kommolitonen, zwei italienische Studentinnen auf einer Bank in unserem Campus der eigentlich immer sonnenbestrahlen ist, und unterhielten sich, als ein kopftuchtragendes Mädel auf sie zugerannt kam und sie auf Türkisch anmeckerte. Da sie das nicht verstanden, wiederholte das Mädchen es dann auf Englisch, und was sie sagte, war, dass sie sich bedecken sollten! Denn zwischen Hosenbund und Pulli war auf dem Rücken des einen Mädels ein kleiner Spalt Haut zu sehen!!
naja, das hat uns Erasmusstudenten ziemlich aufgeregt, denn wenn die Uni internationale Studenten akzeptiert, dann sollten ihre Studenten uns auch akzeptieren!!

Aber es scheint halt, dass wir an einer der konservativsten Unis in der ganzen Türkei gelandet sind, welche ja eigentlich seit Attatürk, dem Gründer der Republik in 1923 laizistisch ist. Der Gründer unserer Uni heisst Fettulah Gülen, ein Islamist, der in fast jedem Land der Welt eine Uni hat, mit dem Ziel den Islam zu verbreiten. Das heißt wir sind da gelandet, wo die Gesellschaft am aller konservativsten ist.

Nun ja, aber das Semester neigt sich dem Ende zu, und so oder so war es eine sehr interessante Zeit in einem sehr anderen Land.

Mit diesen Worten bis bald und euch zuhause viel Glück für die Prüfungen!
Maja